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Task #6 Die subjektwissenschaftliche Lerntheorie nach Klaus Holzkamp 15/06/2009

Filed under: seminar-task — caravirtual @ 21:12
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Einleitung

Die sechste Seminaraufgabe sieht vor, dass jeder nach einer Theorie suchen soll, die in Verbindung zum “educational (micro)blogging” steht. Diese Theorie soll dann anhand eines kleinen Anwendungsbeispiels mit der Praxis verknüpft werden.

Mirjam und ich haben uns entschieden, diese Aufgabe gedanklich gemeinsam anzugehen, wobei sie sich mit der “Theorie des Konnektivismus” beschäftigt, während ich mich der subjektwissenschaftlichen Theorie, begründet von Klaus Holzkamp, widme.

Aus zeitlichen Gründen ist dieser Post vorerst auf deutsch, eine englische Zusammenfassung wird aber noch folgen.

Die Theorie

Klaus Holzkamps subjektwissenschaftliche Lerntheorie thematisiert ein Lernen, das nach den Intentionen der Lernenden fragt. Hieraus ergeben sich Ansätze einer kritisch-pragmatistischen Lerntheorie, die auf der Ebene individuellen Lernens als bedeutungsgeleitetes Handeln argumentiert.

Nach Holzkamp ist Lernen ein zentrales Mittel zur Lebensbewältigung, zu dem es immer dann kommt, wenn ein Subjekt (ein Lernender) während seiner Lernhandlung auf Widerstände stößt. Lernanlässe entstehen aus Holzkamps Sicht aus der Diskrepanzerfahrung zwischen Wollen, Absicht und Fähigkeit. (vgl. Holzkamp 2004, S. 29f.)

Das heißt, wenn das individuelle Können nicht ausreicht um ein Problem zu lösen, muss man sich etwas Neues aneignen. Das Individuum sieht sich in diesem Fall einer Handlungsproblematik gegenüber, die es durch vorhandene Fähigkeiten nicht auflösen kann. Dadurch entwickelt sich aus der Handlungsproblematik eine Lernproblematik, der man durch Einlegen einer nach Holzkamp benannten Lernschleife, eine Art Zwischenschritt, nachgeht. Es kommt nun zum Lernprozess, der auf unterschiedliche Art und Weise ablaufen kann. (vgl. Holzkamp 1995, S. 445f.)

Zum einen kann nach Holzkamp mitgelernt (akzidentell) werden, das heißt Lernen erfolgt zufällig. Zum anderen kann eine intentionale Distanzhaltung vorherrschen, was bedeutet, dass es zu absichtlichem, geplantem Lernen kommt, weil es der Lernende muss, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. (vgl. Holzkamp 2004, S. 30f.)

Eine Lernhandlung kann wiederum defensiver und expansiver Art sein. Eine defensive, also verteidigende Lernhandlung liegt vor, wenn das Ziel eine Abwendung von Beeinträchtigung und Bedrohung bedeutet, wenn das lernende Subjekt eine Verweigerungsstrategie anwendet oder wenn laut experimentiert wird. Eine expansive Lernhandlung hat das Ziel der Erweiterung eigener Weltverfügung und äußert sich unter anderem durch ein eindeutiges Signal nach benötigter Hilfe. Bei erfolgreicher Lernhandlung entsteht eine Verfügungserweiterung, die Holzkamp als Weltverfügung bezeichnet. (vgl. Holzkamp 1995, S. 448f.)

Quellen:

Holzkamp, Klaus (1995): Lernen. Subjektwissenschaftliche Grundlegung. Frankfurt am Main/ New York. Kap. 4.

Holzkamp, Klaus: Wider den Lehr-Lern-Kurzschluß. Interview zum Thema Lernen. In: Faulstich, Peter/ Ludwig, Joachim (Hrsg.) (2004): Expansives Lernen. Hohengehren, S. 29-38.

Die Verknüpfung mit der Praxis (Anwendungsfall)

Holzkamps subjektwissenschaftliche Lerntheorie finde ich interessant in Hinblick auf die Arbeit mit einem Blog. Angenommen Schüler führen einen Blog zu unterrichtsrelevanten Themen. Sie schreiben verschiedene Einträge (Posts) und thematisieren vielleicht sogar aufkommende Probleme. Dadurch werden die Lernproblematiken automatisch dokumentiert und auch eine eingelegte Lernschleife für den Bloginhaber selbst sowie die Lehrkraft sichtbar.

Vemutlich kann auch anhand der Posts analysiert werden, ob es sich um akzidentelles oder intentionales Lernen handelt.

Der Schüler kann durch die Betrachtung seiner eigenen Posts in der Problembewältigung innehalten und an Übersicht und Distanz gewinnen.

Sein bisheriges Handeln kann reflektiert und Ursachen der Schwierigkeiten geklärt werden.

Indem das bisher Geschriebene als Ganzes betrachtet wird und beispielsweise ein Standpunktwechsel vorgenommen wird könnten neue Aspekte gewonnen werden.

Eigene Schwächen werden sichtbar und sollten versucht werden, in einem anderen Licht gesehen zu werden, damit sie überwunden werden.

Dadurch kann die Handlungsproblematik bewusst als Lernproblematik übernommen werden.

Auf diese Weise können die eigenen Handlungsvoraussetzungen verbessert werden.

Indem andere Personen Kommentare zu den Posts schreiben, können zudem Anregungen oder Hilfestellungen gegeben werden, was den Lernprozess durchaus anregen kann.

Während der Lernschleife könnte auch die Plattform „Twitter“ genutzt werden, um die Möglichkeit zu nutzen, schnelle Antworten auf die eigenen Fragen/ Probleme zu erhalten. Ich denke allein der Schritt der Verbalisierung beziehungsweise Verschriftlichung der momentanen Lernproblematik, ist bereits ein Lernprozess, da man sich mit seinem Problem auseinander setzt.

 

3 Responses to “Task #6 Die subjektwissenschaftliche Lerntheorie nach Klaus Holzkamp”

  1. Mirjam Says:

    *Feedback*

    Erstmal zur Form🙂 :
    Ich finde deinen Beitrag sehr gut strukturiert. Und du hast noch mal gesagt, worin die Aufgabe bestand – das hat mir ebenfalls gut gefallen, vor allem in Hinblick auf LeserInnen, die nicht im Seminar sind (und ich übernehme es gleich mal für meinen Artikel).

    Und dann zum Inhalt:
    Für mein Empfinden hast du Holzkamps Theorie so zusammengefasst, dass sie anderen verständlich bleibt (das ist gut🙂 ). Ich frage mich aber, was Widerstände sind. Sind es die Diskrepanzen, die Anlass zum Lernen geben? Eine weitere Frage, die mich auch noch beschäftigt, ist, ob man immer nur aufgrund von Diskrepanzen/Widerständen lernt. Damit wäre Lernen ja immer allein eine Reaktion, und das glaube ich nicht.

    Bei der Anwendungspraxis finde ich vor allem das Argument schlüssig, dass man durch das Bloggen zum einen den Problembewältigungsprozess abbildet, und dadurch innehalten und ihn betrachten kann.
    Ein weiteres Argument für die Anwendung von Blogs wäre (ganz allgemein), dass sie (hoffentlich zumindest teilweise) öffentlich sind. So haben andere die Chance, Problembewältigungsprozesse (Lernprozesse) zu verfolgen und Hilfestellung zu geben.

    Unsicher bin ich, ob Lernprobleme automatisch dokumentiert werden. Das setzt in meinen Augen ein “fehlerfreundliches” Klima voraus (vor allem, wenn’s um Schulklassen geht, weil dort der Druck der Gruppe besonders groß sein kann), bzw. die Bereitschaft voraus, seine Probleme kund zu tun/öffentlich zu machen.

    Allgemein denke ich, dass dein Szenario auch für Studenten gelten kann.

    Das wär’s von mir🙂.

  2. Benni Says:

    * Feedback *

    Ich finde diesen Artikel sehr gut! Du schaffst es, eine relativ komplexe Theorie auch für mich (als Fachfremden) verständlich zu formulieren. Dabei unterstützt DIch sicherlich auch die sehr gelungene Gliederung.

    Insgesamt finde ich es interessant, wie sich eine solche statische Theorie mit dynamischen modernen Medien in Verbindung gebracht werden kann. Das Fallbeispiel finde ich hierbei sehr interessant, allerdings bin ich mir nicht sicher ob der begrenzte Zeichenumfang von “Twitter” nicht einem sinnvollen Einsatz im Wege stehen könnte.

  3. druhh Says:

    Jetzt, wo ich endlich mal dazu komme, mir dein Post – auch inkl. Usecase – in Ruhe durchzulesen, stelle ich fest, dass sich deine subjektwissenschaftliche Theorie und meine Communities of Practice letztlich auch ähneln.

    Ich stimme dir insbesondere im Hinblick auf den Lerneffekt, den die Verschriftlichung der Lernproblematik hat, zu. Als besonders hilfreich dabei empfinde ich, dass sich das Lernen auf diese Weise gar nicht so sehr nach lernen (im negativen, anstrengenden Sinne) anfühlt, sondern mehr nach entdecken. Der so gewonnene distanziertere Blick – auch auf die eigenen Schwächen – erscheint mir außerdem als sehr sinnvoll für ein positives Lernerlebnis.


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